Über mich | Dirk Osygus

Vorgeplänkel!

Wow, eine Selbstdarstellung. Die schreibt man ja besonders ungern, wenn man nicht gerade eine ausgeprägte philosophische Ader hat oder eben genau das, ein absoluter Selbstdarsteller ist. Meiner Meinung nach trifft beides auf mich nicht zu. Aus diesem Grund fällt es mir also nicht so leicht, diesen Text wie eine Szene für einen Roman zu schreiben.
Entscheide also selber, ob diese ersten Sätze Dich zum Weiterlesen animiert haben oder nicht.

Wer bin ich also?

Versuch 1:
Wenn ich das mal wüsste!
Da wäre ich mal wieder beim Philosophen, zu dem ich ja nicht werden wollte.

Versuch 2:
Der größte Schriftsteller aller Zeiten!
Und jetzt wäre ich beim Selbstdarsteller, der ich ja meiner bescheidenen Meinung nach auch nicht bin.

Versuch 3:
Ich (bin nicht der Esel) bin ein Mann im letzten Drittel seines Lebens, der damit ganz zufrieden ist, wenn man von der grauenvollen Altersweitsicht absieht. In den zwei Dritteln davor habe ich vieles erlebt, auf das ich stolz bin.
Ganz besonders stolz bin ich auf meine Frau Susanne, der ich wahrscheinlich nie das Wasser reichen werde, das aber natürlich niemals öffentlich zugeben würde (und was mache ich hier gerade? Na ja, geschenkt). Danke, Susanne, für die schönen Jahre.
Dann sind meine beiden Kinder ganz gut geraten. Leider werden sie schneller als erhofft flügge. Das ist schade, aber der Lauf der Dinge (Wo wir wieder beim Philosophen wären, der ich ja bekanntermaßen nicht bin). Für alle, die keine Kinder haben oder keine wollen: Ihr macht einen Fehler.

Und was macht mich nun aus?

Ich selbst halte ich mich für einen recht wissbegierigen Menschen, der gerne Neues ausprobiert. Beide Kinder schütteln regelmäßig den Kopf, wenn ich wie so oft sage: »Das wollte ich schon immer mal machen!“

Lachanfall 1: Nähen
Da ich mich für kreativ halte (ist in meinem Beruf als Konstrukteur kein Fehler), habe ich mich vor ein paar Jahren kurzentschlossen für einen Nähkurs angemeldet und war hin und weg. Mit den Händen Kleidung zu schaffen (oder daran zu scheitern) ist bombastisch. Und so wanderten eine Nähmaschine, eine Overlock und jede Menge Zubehör ins Haus. Und nein, nichts davon verstaubt. Leider kann mein Sohn diesen kreativen Schub nach wie vor nicht richtig einordnen. Ihm sei aber zu Gute gehalten, dass er noch jung und lernfähig ist. Wenn ich eine meiner Modekollektionen für ein paar Millionen verkauft habe, hört das Lachen sicher auf.

Über mich | Dirk Osygus

Lachanfall 2: Jagdschein
Und schon wieder hat der Alte ein neues Hobby. Ja, das hat er und ich bedauert es nicht bereits viele, viele Jahre vorher gemacht zu haben. Leider ist es mit dem Jagen wie mit dem Golfen, Skifahren oder dem Karneval. Haben die Eltern einen Bezug dazu, machen die Kinder das auch. Meine Eltern hatten leider keinen Bezug zur Jagd und so bin ich jetzt ein Spätberufener mit viel Freude an der Tierbeobachtung und am jagdlichen Handwerk. Ganz nebenbei schmeckt die selbst erlegte Wildschweinkeule um Längen besser als das Pendant aus dem Supermarkt. Und ein ganz besonderer Dank gilt meinem ehemaligen Arbeitskollegen Ramon Sommer, der mich mit dem Virus infiziert hat.

Über mich | Dirk Osygus

Lachanfall 3: Schriftstellerei
Und schon sind wir beim eigentlichen Thema dieses Versuchs, mein neuestes Hobby zu erklären. Nein, ich habe nicht schon immer schreiben wollen, wie es 95 von 100 Schriftstellern von sich behaupten. Ich habe nur gern gelesen und manchmal kam dann eben der vielbesagte Punkt, an dem ich einfach ein paar Zeilen zu Papier bringen wollte. Was natürlich wieder philosophischer Unsinn ist, denn ich tippe die kreativen Ergüsse ja in den Speicher einer Maschine.
Sebastian Fitzek ist daran schuld. Sein Aufruf 2020 zu seiner Anthologie „Identität 1142“ hat mich so unheimlich motiviert, das schnell eine Geschichte entworfen und geschrieben war. Leider war sie nicht weit von dem entfernt, was Hemingway von ersten Entwürfen hält. Nach der Überarbeitung war sie, aus heutigem Stand, nicht so viel besser, dennoch habe ich sie für die beste der Welt gehalten. Unnötig zu erwähnen: Sie wurde nicht für gut genug befunden, aber der Samen war gesät.

Und heute?

Ich bin ein Mann über fünfzig, der seine Familie liebt, als Konstrukteur arbeitet, liebend gern auf die Jagd geht, dreißig Jahre Handball spielte, Karate leider aufgeben musste, fast täglich Motorrad fährt, paddelt, trekkt und wandert, politisch interessiert ist, manchmal bis in die Puppen fernsieht und dabei einschläft und vom Aufstieg in den Modeolymp träumt. Ach so, ganz nebenbei arbeite ich natürlich schon am ultimativen Bestseller.

Und jetzt mal eine Nummer kleiner: Ich bin zufrieden mit meinem Leben. Und das will etwas heißen, wenn man schon so lange im Tal des Regens wohnt wie ich.


Teile diese Seite
Teile diese Seite